Wie mein Newsletter die weltweite Top 10 stürmte – und was Dir das über Deine Leser verrät
Über Vertrauen, das im Verborgenen wuchs – und an einem Donnerstag sichtbar wurde
Ein falsches Räkeln im Bett und der Krampf beißt wieder in den Oberschenkel.
Ich schreie auf, greife nach meinen Zehen, versuche, den Schmerz rauszudehnen. Geschafft. Wenig später geht das Gejammer und Gezappel von vorne los.
1 Uhr, Nacht auf Freitag. Ohnehin kein Gedanke an Schlaf. Die Elektro-Beats hämmern nach. Dazu ein Endorphin-Cocktail, der sich nicht verflüchtigen will.
Keine Party des Jahrhunderts. Kein WM-Finale. Ich habe noch nicht einmal das Haus verlassen. Doch das Laufband unter meinem Schreibtisch lief und lief und lief.
Und irgendwo zwischen dem 20. Kilometer und der 200. Direktnachricht kippte etwas.
Neu hier? Kurz zu mir:
Ich bin Simon. Als gelernter Ökonom und Wirtschaftsjournalist habe ich jahrelang analysiert, wie Märkte funktionieren. Jetzt wende ich dieses Wissen auf die Creator-Economy an und baue hier mein eigenes Medien-Startup. Ich nehme Dich mit auf diese Reise und zeige Dir, wie Du die Chance auf Substack nicht nur kreativ, sondern strategisch nutzt – vom reinen Schreiben zum tragfähigen Standbein, das sich nach Dir anfühlt.
Neben den größten Business-Newslettern der Welt
Letzte Woche habe ich auf Substack meinen Premium-Bereich gelauncht.
Drei Vögelchen hatten sich zuvor in mein Bezahl-Abo verirrt. Aber jetzt ging es richtig los: eine Woche Kampagne, zehn E-Mails in wenigen Tagen und zum Endspurt hunderte Direktnachrichten.
Die blanken Zahlen:
Der Startpunkt: rund 500 organische Free-Abonnenten
15 neue Premium-Mitglieder (3% der Liste)
60 Abmeldungen (12%)
Kurzzeitig in der Top 10 des „Rising in Business“-Leaderboards.
Was Rising genau misst, verrät Substack nicht. Es geht darum, wer in der Kategorie Business gerade am schnellsten neue Bezahl-Abonnenten gewinnt – laut meiner Recherche: in absoluten Zahlen, gemessen in einem rollierenden 7-Tage-Fenster, alle paar Stunden aktualisiert.
Die Liste liest sich wie ein Who’s Who der Branche. Ganz oben: Lenny Rachitsky, mit über einer Million Abonnenten und einem Jahresumsatz im siebenstelligen Bereich (Substack-Statistiken).
Ich habe es also in Substacks Ranking der Reichen und Schönen geschafft. Wie? Dafür muss ich ausholen.
Am Anfang war der Heldenepos
Rückblende: November 2025.
Nina Klose hat gerade ihren „How to Substack“-Text veröffentlicht. Der Artikel, auf den 90% der Community gewartet haben und der seitdem jeden deutschsprachigen Plattform-Neuling warm willkommen heißt. Das Ding hat mehr Likes als der Mann im Weißen Haus Gehirnzellen.
Es ist Ninas „Hero Post“ – ein Konzept, das mir aus der internationalen Creator-Szene schon vertraut war: Deine eigene kleine Heldengeschichte, die Du auf Deine Startseite pinnst.
Ich hatte da bereits Wochen an dem Dreh für meinen eigenen Hero Post herumgeschraubt: Notizen gewälzt, Journals geschrieben und Mindmaps gezeichnet. Note für Note fügte sich das Bild zusammen – und Ninas Erfolg zeigte: Der Moment ist reif.
Ich schrieb mein eigenes Manifest: eine Analyse, warum Substack auf Deutsch gerade die größte Chance ist, um mit authentischem Schreiben Geld zu verdienen. Der Text schlug ein und spült bis heute Abonnenten in die Liste. Darin eine Ankündigung: Im Frühjahr launche ich etwas. Was genau, wusste ich selbst noch nicht.
Nur eins war klar: Ich würde es nicht am Reißbrett entwerfen.
Das Netzwerk, das mich trug
Premium-Abos, E-Mail- und Videokurse: Ich hatte zu dem Zeitpunkt bereits alles verschlungen, was die großen englischsprachigen Newsletter-Köpfe an Wissen anbieten. Richtig gutes Zeug, um die Plattformmechanik zu verstehen.
Trotzdem hatte ich den Kern von Substack noch nicht begriffen: nicht das Wie, sondern das, was den Dienst im Innersten zusammenhält.
Denn bis dahin war ich ein lebenslanger Social-Media-Verweigerer – wenn man meine Jugendsucht nach YouTube-Videos ausklammert. Facebook, Instagram, Twitter – alles an mir vorbeigezogen. Und so dachte ich wohl, hier beginnen zu können: Schon fleißig posten. Aber nur darauf warten, dass irgendjemand es finden würde.
Nach ein paar Wochen hinterließ jemand einen langen Kommentar unter einer meiner Notes. Es war Philipp Kroiss, Ex-Volleyball-Ass, heute Mentalcoach. Ich antwortete. Dabei erwähnte ich auch „The Art and Business of Online Writing“ – das Buch, das mich überhaupt erst auf die Idee gebracht hatte, einen Newsletter zu starten. Es stellte sich heraus: Philipp hatte vom selben Autor alles durchgeackert: Artikel, Bücher, Kurse. Aus dem Kommentar wurden DMs, Sprachnachrichten und Video-Calls. Aus dem Fremden wurde ein Buddy.
Das passierte noch zweimal – und aus dem Buddy wurde ein Netzwerk: strategische Gespräche, gegenseitige Unterstützung, Freundschaften. Etwas, das organisch wuchs, ohne dass ich es geplant hatte.
Gerade in dieser Phase flatterte das Angebot einer englischsprachigen Community herein, das alles beschleunigte. Coachings, Best Practices und ein Kreis von Menschen, die auf demselben Weg waren – manche weiter, manche gerade erst am Start. Meine bisher teuerste Investition. Und eine der besten Entscheidungen. Ich hatte endgültig begriffen: Der Hebel ist Gemeinschaft. Direkter Austausch. Menschen, die sich gegenseitig zuhören, Tipps geben und ermutigen.
Diese beiden Netzwerke machten mich vom Eigenbrötler zum Connector. Plötzlich führte ich zahlreiche Gespräche mit Autoren quer durch alle Themenfelder. Die Essenz: Die Leute wissen, dass Substack eine Chance ist. Aber sie stecken fest. Beim Sichtbarwerden, ohne sich dafür in den Social-Media-Zirkus zu stürzen. Bei der Frage, wie man aus Schreiben ein tragfähiges Standbein macht. Und bei der Einsamkeit, die entsteht, wenn das eigene Umfeld nicht versteht, warum man abends am Laptop sitzt statt auf dem Sofa.
Dazu kamen die beiden Umfragen, die ich an meinen Hero Post gehängt hatte. Mittlerweile haben beide je über 50 Stimmen gesammelt. Für meine Verhältnisse ein kleiner Erdrutsch. Und weil Substack nur kurze Multiple-Choice-Fragen erlaubt, startete ich ergänzend eine Befragung mit einem externen Tool. Die Antworten waren ein Goldschatz. Nicht wegen der Menge, sondern wegen der Tiefe und Ehrlichkeit.
So entstanden die drei Säulen meines Angebots:
Praxis-Guides, die vom Lesen ins Machen bringen.
Eine Community mit regelmäßigen Treffen.
Und mein Notes-System, das Werkzeug, mit dem ich meine eigene Sichtbarkeit schuf.
Sechs Bälle, zwei Hände: Die Wochen vor dem Launch
Dann kam alles gleichzeitig.
Das Notes-System, das ich für mich selbst gebaut hatte, war ein Rohdiamant. Es funktionierte, für mich. Aber ein Werkzeug, das nur seinem Erfinder nützt, ist kein Produkt, sondern ein Hobby.
Also lud ich im Januar eine Handvoll Substacker ein, das System auf Bruchstellen zu testen. Leute aus ganz unterschiedlichen Nischen, mit eigenen Routinen und Ansprüchen. Ihr Feedback war unbequem: Manches, was für mich glasklar war, entpuppte sich als Stolperfalle. Also schraubte ich die User Experience auseinander, setzte sie neu zusammen und machte das System zugänglicher für Menschen, die nicht in meinem Kopf leben.
Gleichzeitig: Bewerbungen fürs Arbeitsamt. Seit ein paar Monaten bezog ich Arbeitslosengeld, und die Agentur wollte Nachweise sehen. Also lieferte ich. Nur schrieb ich die Anschreiben so, wie ich es noch nie gewagt hatte: frech, direkt, selbstbewusst bis an die Schmerzgrenze. Nicht mehr der angepasste Bewerber, der hofft, irgendwo reinzupassen. Sondern jemand, der weiß, was er kann. Die Ironie: Das mit Abstand renommierteste Wirtschaftsmedium auf meiner Liste biss an. Ein Freelance-Deal, der mir Luft verschaffen könnte.
Dazu ein Businessplan für den Gründerzuschuss: Marktanalyse, Finanzplan, das volle Programm. Dank meines neuen Netzwerks bekam ich großartiges Feedback, bevor ich das Ding abschickte. (Moin, Falco Aust!)
Obendrauf eine Kündigungsschutzklage. Ja, das Verhältnis zu meinem früheren Arbeitgeber endete nicht gut. Stellungnahmen mussten geschrieben werden. Juristische Schriftsätze, die Energie fraßen und den Kopf besetzten.
Schließlich die Verpflichtung gegenüber meinen Abonnenten. Alle zwei bis drei Wochen ein neuer Artikel. Kein Füllstoff, sondern Säulen, die tragen sollten. Jedes Stück musste sitzen.
All das als Vater eines Säuglings und Alleinverdiener, dessen Vormittage um 5:30 Uhr beginnen. Der Wecker vibriert, das Laufband surrt, die Tasten klappern, bevor der Kleine die Augen aufschlägt. Und wenn er das tut, will ich für ihn da sein.
So liefen die Wochen – und Mitte Februar nahm ich mir ein Herz. Der Beta-Test war beendet, das System stand, und ich legte mich auf ein Launch-Datum fest: 16. März. Kein Verschieben, kein Wenn und Aber.
Türen auf – und keiner kommt
Die Guides, das Schaufenster, das Notes-System in der fertigen Version, die E-Mails – alles entstand auf den letzten Drücker.
Am Freitag, drei Tage vor dem Start, schickte ich das Konzept für meine E-Mail-Kette an meinen Coach Sinem Günel. Keine halbe Stunde später: detailliertes Feedback, das den Mails den letzten Schliff gab.
Freitag: Mail 1, persönliche Geschichte: die Kündigung – vom Desaster zur Befreiung.
Sonntag: Mail 2, die Umfragedaten: Eure Probleme, meine Antwort darauf.
Montag: Türen auf. Ab jetzt zwei Mails am Tag, vier Tage lang.
Am ersten Morgen antwortete mein Posteingang mit einem Biotop-Geräusch: Grillenzirpen. Keine Antworten. Keine Sales.
Dienstag dann die Wende: eine Anmeldung. Zwei weitere klopften an. Es ging los.
Mittwoch: wieder nur ein einziges Abo. Im Coaching-Call fragte ich Philip Hofmacher nach einer Idee für den Endspurt. Die Antwort: DMs. Die treuesten Abonnenten persönlich anschreiben. Über 200 Kontakte.
Mein erster Gedanke: Das fühlt sich an wie Kaltakquise. Nach dem E-Mail-Gewitter der letzten Tage nochmal eine Schippe drauflegen? Ich hatte Angst.
Aber ich zog es durch.
Der doppelte Halbmarathon
Donnerstagfrüh ging die erste Mail raus.
Schreibtisch hochgefahren, Laufband an, Brain.fm an. Dann die erste DM. Und die nächste. Über zweihundert Nachrichten, eine nach der anderen.
Kaum angefangen, kamen die ersten Antworten und trieben mich an. Die Beine liefen, die Finger tippten, und irgendwann hatte der Tag eine Eigendynamik, die ich nicht mehr steuern konnte – und nicht mehr steuern wollte.
13 Anmeldungen. Die meisten davon spätabends. Und dann die Absagen: Etwa 30 Nachrichten, so nett, dass ich sie einrahmen wollte. Förmliche Liebesbriefe waren dabei. Immer wieder derselbe Tenor: Ich lese so gern. Das Angebot ist toll – nur die Zeit fehlt gerade. Ich komme später.
Dazu: kein einziger Giftpfeil.
Ein Leser empfand die Kampagne – weil die Mails so dicht kamen – als „aufdringlich“, blieb aber wertschätzend. Ein anderer schrieb: „Lern erstmal Marketing!“ Am Ende stellte sich heraus: Meine DM war zu lang. Notiert.
Als ich das Laufband stoppte: 20,1 Kilometer. Ich war noch nie über 14 gekommen. Und 15 neue Mitglieder. Und etwas, das größer ist als jede Zahl.
Still, aber aufmerksam
Vor den DMs hatte ich Bammel, weil ich die meisten dieser Menschen nicht kannte.
Aber ich vergaß: Sie kennen mich. Sie lesen seit Monaten meinen Newsletter. Der rote Faden: Schreibkunst und Schreibbusiness, aber durchzogen von Geschichten aus meinem Alltag. Und mittendrin mache ich mich nackt, weil ich meine Reise so dokumentiere, wie sie passiert. In dieser Zeit ist im Hintergrund Vertrauen gewachsen, ohne dass ich es gemerkt hatte. Und an diesem Donnerstag wurde es auf einen Schlag sichtbar.
Viele dieser Menschen waren mir nie zuvor aufgefallen. Kein Like unter meinen Artikeln, kein Herz unter meinen Notes. Und trotzdem schrieben sie mir jetzt Nachrichten, die zeigten, dass sie jeden Text gelesen hatten. Dass sie mitgegangen waren, still, aber aufmerksam. Likes und Herzen. Das ist nur, was an der Oberfläche passiert. Darunter liegt ein Publikum, das leise liest und leise wertschätzt – vielleicht gerade hier, im deutschsprachigen Raum.
Ich habe begriffen: Wer ohne Vorleistung pitcht, ist ein digitaler Staubsaugervertreter. Wer aber monatelang gibt, bevor er fragt, macht keinen Überfall. Er hat sich das Recht verdient. Und die 60 Abmeldungen? Sind in drei Wochen wieder drin. Aber vor allem: Wer geht, weil ich ein Angebot mache, war eh nur Tourist.
Wichtiger als die Zahlen: die Menschen dahinter.
Ein Arzt, der den Raum zwischen Neurowissenschaft und Spiritualität erforscht – und dabei selbst der interessanteste Fall wurde.
Eine Journalistin, die nach 20 Jahren ihren ersten Roman aus Träumen, Trance und anderen Bewusstseinszuständen herausschreibt.
Eine Intensivpflegerin, die nach 25 Jahren zwischen Notaufnahme und Pandemieschichten jetzt den Sprung zum Longevity-Coaching wagt.
Das sind meine Pioniere.
Nachbeben
Meine Waden erinnern mich noch Tage später daran, was passiert ist.
Am Wochenende gönne ich mir ein Bier – das erste seit Monaten. Es schmeckt nach Erleichterung. Dann wieder an den Schreibtisch. Diesen Text schreiben, bevor der Alltag die Kanten abschleift. Und ich merke: Da ist keine Erschöpfung. Was da ist: Vorfreude. Auf die Menschen, die ich begleiten darf.
Die deutsche Welle auf Substack baut sich gerade erst auf. Letzte Woche habe ich gelernt, dass sie mich trägt.
Danke, dass Du bis hierhin gelesen hast. Falls Du jetzt denkst: Ich muss meinen Hero Post schreiben. Oder Du hast den schon und fragst Dich, wie Du Deinen eigenen Launch aufsetzen kannst. Wie Du eine E-Mail-Sequenz strukturierst, die nicht im Spam-Ordner des Vertrauens landet. Und wie Du DMs schreibst, die ankommen, statt zu nerven.
Kommt alles.
Der Praxis-Guide zu diesem Artikel ist in Arbeit. Ich will da nichts über’s Knie brechen, denn er soll so sitzen wie die Kampagne selbst. Mitte April lege ich ihn in die Premium-Bibliothek. Bis dahin: Schreib mir, wenn Du Fragen hast. Du weißt ja jetzt, dass ich DMs mag.






Glückwunsch zu diesem mega Erfolg, Simon! 👏
An dir kam in den letzten Wochen auf Substack niemand mehr vorbei. Und die Eroberung der Top 10 war sicher auch ein Moment für den Bilderrahmen. Ganz stark!
Gratuliere dir!
Wahnsinn, wie durchdacht du an alles herangehst, wie sehr du jedes Wort und jeden Post auf die Waagschale legst, bevor du es/ihn raushaust.
Und schreiben tust du sowieso gigantisch gut.
Viel Erfolg weiterhin, ich sehe dich auf einem verdammt guten Weg.
Und vielen Dank auch für die Erwähnung hier. Es freut mich sehr, dass ich ein wichtiger Teil des am Anfang so wichtigen Arschtritts war.
Freue mich auf weiteren Austausch mit dir.