Wie ich mich vor 17 Jahren fast zu Tode optimierte – und wie ich entkam
Teil 1 von 3: Meine Reise raus aus der Pseudo-Exzellenz und rein in den Club der Umsetzer.
Bonn, 2009. Einzimmerwohnung, Erdgeschoss, Fenster zum Hof.
Ich hause in der toten Ecke des Gevierts. Während draußen das Vormittagslicht die Welt zum Handeln auffordert, bleibt es bei mir dämmrig. Mit halb heruntergelassenen Rollläden helfe ich nach.
Unter dem Schreibtisch brummt der PC wie ein warmes Aquarium. Meine Augen starren täglich 16 Stunden auf Pixel und werden schlechter. Auf dem Bildschirm so viele Tabs, dass nur noch Symbole zu sehen sind. YouTuber reden in Endlosschleife über Health, Wealth und Excellence. Auf dem Bett liegt Die Zeit wie eine Fahne, daneben stapeln sich Bücher von Chip Heath, Malcolm Gladwell, Seth Godin, Daniel Pink ...
Wissensriese – Umsetzungszwerg.
Wenn der Kopf müde wird, brauche ich stärkeren Tobak. Graham Hancock raunt mir die Wahrheit über die versunkenen Hochkulturen zu. Die Schulbücher irren. Loose Change erklärt mir, dass 9/11 ein Inside Job war. Stahl schmilzt nicht so schnell. Und Zeitgeist enthüllt, dass Religion und Banken nur zwei Arme desselben Monsters sind.
Hier im Halbdunkel bin ich eingeweiht, während die Welt da draußen schläft.
StumbleUpon liefert endlosen Nachschub. Ich baue Wissensarchive, tüftele nächtelang an der perfekten Tagging-Struktur, nur um kurz darauf alles in das nächste, angeblich bessere Tool zu migrieren. Ich poliere den digitalen Container auf Hochglanz, während der Inhalt ungenutzt verrottet.
Ein Massengrab guter Vorsätze.
Um mir Fortschritt vorzugaukeln, laufe ich 14 Kilometer am Rhein oder gewinne beim Online-Poker 300 Euro an sechs Tischen gleichzeitig. Davon kaufe ich neue Ratgeber, die ungelesen verstauben.
Soziale Kontakte sind Störungen im System. Jemand könnte mein Kartenhaus anpusten. Eine Freundin? Lieber die schnelle Befriedigung vor dem Bildschirm – Masturbation auf die eigene, isolierte Überlegenheit. Breche ich doch mal aus, ertränke ich die Arroganz im Alkohol. Was bleibt, sind peinliche One-Night-Stands.
Das Studium läuft nebenher wie ein Tab, den ich nie schließe, aber auch nie anklicke. In der Universitätsbibliothek brennen kalte Neonröhren über leeren Tischen – kein YouTube, kein Poker, keine Fluchtmöglichkeiten.
Aber ich bleibe vorerst in meiner Dunkelkammer und grabe mich Klick für Klick tiefer in den Morast.
Neu hier? Kurz zu mir:
Ich bin Simon. Als gelernter Ökonom und Wirtschaftsjournalist habe ich jahrelang analysiert, wie Märkte funktionieren. Jetzt wende ich dieses Wissen auf die Creator-Economy an und baue hier mein eigenes Medien-Startup. Ich nehme Dich mit auf diese Reise und zeige Dir, wie Du die Chance auf Substack nicht nur kreativ, sondern strategisch nutzt – vom reinen Schreiben zum souveränen Business, das sich nach Dir anfühlt.
Die Komplexitätslüge
Du kennst die Gesichter auf Social Media, die Dir ihre komplex gestylten Notion-Schaltzentralen, Zettelkästen und Morgenroutinen zeigen. Die Botschaft: Du brauchst nur dieses eine neue System, um endlich Kontrolle zu gewinnen.
Die unbequeme Wahrheit: Wer wirklich etwas wuppt, macht das nicht.
Bestseller-Autoren, Top-Wissenschaftler oder die alleinerziehende Mutter, die Job, Kind und Side-Hustle jongliert: Sie alle nutzen erschreckend simple Systeme. Keine Raumschiff-Dashboards. Oft reichen ein Zettel, ein Kalender und ein paar Minuten täglich.
Was die Produktivitäts-Influencer Dir verkaufen, ist Pseudo-Exzellenz.
Sie wollen, dass Du an Deiner Effizienz schraubst – also daran, wie schnell Du kletterst. Dabei ignorieren sie aber die Effektivität – die Frage, ob die Leiter überhaupt an der richtigen Wand lehnt. Sie polieren die Sprossen, optimieren den Winkel und sichern den Stand – nur damit Du oben angekommen merkst: falsches Haus. Dein Arbeitstag fühlt sich kompliziert und aufgezwungen an.
Um dieses Korsett zu sprengen, musst Du umdenken: Methoden und Systeme sind keine Gesetze, sondern Werkzeuge. Es gibt vielleicht 100 von ihnen – von Time Blocking bis Pomodoro, von Getting Things Done bis Bullet Journaling. Der Fehler, den viele machen (und ich in Bonn zur Kunstform erhob): der Versuch, alle 100 gleichzeitig zu benutzen oder ewig nach dem einen Super-Tool zu suchen.
Hör auf zu suchen. Es geht nicht um das ideale System, sondern darum, aus 100 Werkzeugen fünf zu finden, die zu Dir passen. Alles andere ist Fetisch – derselbe, der mir nichts brachte außer Frust, einer Brille und 300 Euro Poker-Gewinn.
Wahre Effizienz ist simpel. Sie dient Deiner Effektivität, statt sie zu ersticken – und sie orientiert sich an echten Konstanten, nicht an künstlich aufgeblasenen Wundermitteln.
Mein Weg aus der Passivität
Dieser Text ist der erste von drei Teilen.
Ich habe mir in den letzten Wochen bewusst eine Veröffentlichungsauszeit genommen. Nicht, weil die Maschine klemmte, sondern weil ich keine halbgaren Gedanken in den Äther blasen wollte. Das Ergebnis waren trotz rigorosen Kürzens knapp 5.000 Wörter – viel zu viel für eine einzige Mail. Deshalb habe ich das Ganze in drei konzentrierte Episoden geteilt:
Heute: die Diagnose. Du hast gesehen, wie ich mich in der Falle der Pseudo-Exzellenz verlor und warum die ewige Suche nach dem perfekten Tool oft nur eine ausgeklügelte Form der Prokrastination ist – der teuerste Fehler, den wir am Anfang machen können.
Im zweiten Teil erzähle ich Dir, wie ich meinem Bonner Tempel der Ablenkung entkam und das Studium nicht nur meisterte, sondern Hunger auf mehr bekam – ohne plötzlich „mehr Disziplin“ zu haben. Du lernst das Naturgesetz kennen, das komplizierte Produktivitätssysteme fast immer scheitern lässt, und wie Du Deine Routinen so radikal vereinfachst, dass Du keine Energie mehr im Kampf gegen das Chaos verbrennst, sondern sie in die Arbeit steckst, die wirklich zählt.
Im dritten Teil zeige ich Dir, wie Du aus Deiner Notizenwüste einen verlässlichen Veröffentlichungs-Workflow machst – ohne dass Du Dich zu einem künstlich hohen Takt zwingen musst. Du lernst eine Methode kennen, mit der die produktivsten Schreiber arbeiten: Sie lassen ihr Unterbewusstsein zwischen den Sessions für sich weiterdenken und sorgen dafür, dass der hohe Output-Rhythmus als Nebenprodukt einer funktionierenden Maschine entsteht – nicht als harte Vorgabe, die sich nach Content-Hamsterrad anfühlt.
Das ist der Fahrplan für die Theorie. Doch Wissen allein hat mich damals in Bonn nicht gerettet – und es wird auch Dich nicht retten, wenn es nur im Kopf bleibt. Wie Derek Sivers zu sagen pflegt:
Wenn es einfach um mehr Wissen ginge, wären wir alle Millionäre mit 6-Pack-Abs.
Deshalb wechseln wir jetzt vom Denk- in den Baumodus.
Die Anomalie im System
Es ist fast absurd, wie gut wir es gerade haben.
Normalerweise musst Du Dich entscheiden: Entweder Du genießt die magische Anfangsphase einer Plattform – diesen Twitter-Vibe von 2012 – und trägst das Risiko, dass das Ding nicht überlebt. Oder Du bist auf einer etablierten Plattform, hast Sicherheit, schreist aber gegen den Lärm von Millionen an.
Bei Substack auf Deutsch nutzen wir gerade eine Anomalie im Raum-Zeit-Gefüge des Internets: Wir haben die Vorteile der frühen Phase ohne ihre Risiken. Wir sitzen im gemachten Nest: Global ist die Plattform validiert, boomt und steht vor dem Durchbruch in den Mainstream. Wir genießen die Sicherheit eines etablierten Ökosystems, aber noch die lauschige Ruhe eines kleinen Dorfes. Und als wäre das nicht genug: Die E-Mail-Liste gehört Dir. Wenn die Stimmung kippt, kannst Du gemeinsam mit Deinen Lesern umziehen.
Als ich die These vom De-Risk Early Adopter Ende November aufstellte, war es halb Hoffnung. Heute ist klar: Sie ist real. Viele Menschen kommen immer noch über diesen Artikel in meinen Newsletter.
Über 500 von Euch glauben mittlerweile an die einmalige Chance.
Der Moment ist gekommen, nicht nur zu lesen, sondern zu bauen. Am Montag, den 16. März, öffne ich exklusiv für Premium-Mitglieder den Bereich „Praxis-Guides“. Im Newsletter erfährst Du weiter wie gewohnt das Was und Warum. Die Praxis-Guides liefern zu jedem Beitrag handfestes Workbook-Material für das Wie, das Dich sofort zum Umsetzer macht. Du kennst das Prinzip schon aus meinen letzten beiden Posts: dem Selbstverpflichtungs-Vertrag und dem Acht-Wochen-Plan zur Identitätsarbeit.
Diese Guides sind keine Gimmicks, die ich in fünf Minuten mit KI zusammenklicke, sondern erprobte Werkzeuge, die Dich zwingen, Deine Gedanken auf Papier zu bringen und sofort ins Handeln zu kommen.
Als Premium-Mitglied bekommst Du ab Mitte März sofort Zugang zu 3 brandneuen Praxis-Guides passend zu dieser Artikelserie.
Zum heutigen Beitrag wartet als erstes Tool direkt ein Effektivitäts-Audit auf Dich: ein Worksheet, mit dem Du prüfst, ob Deine Leiter gerade an der falschen Wand lehnt, welche Projekte Dich wirklich voranbringen und welche Dich nur heimlich vom Wesentlichen abhalten. Zweimal im Monat kommen passend zu den Artikeln weitere Guides dazu.
Wir kombinieren dabei mein Handwerk als Wirtschaftsjournalist mit den Best Practices der Creator Economy – aber nicht blind kopiert. Ich teste alles selbst und behalte nur die Strategien, die in unserem Kulturraum wirklich resonieren, statt nach Hype zu schmecken.
Wir nutzen gemeinsam dieses Zeitfenster, egal von wo Du startest:
Der Experte: Du willst Dein Wissen endlich in skalierbare Vermögenswerte verwandeln, die Kunden glücklich machen, statt nur Zeit gegen Geld zu tauschen.
Der Indie-Autor: Du willst beweisen, dass Dein Handwerk mehr ist als ein Hobby, und suchst den Weg vom Schreiben zum Einkommen.
Der Sucher: Du bist noch dabei, Deine Stimme zu finden, und brauchst dafür einen geschützten Raum.
Was uns verbindet: Wir alle spüren den Muskelkater des persönlichen Wachstums. Wir legen alte Rollen ab, auch wenn es wehtut. Auch wenn unser Umfeld es noch nicht versteht. Und für uns sind Notes der wichtigste Hebel, um die Leser zu finden, die unsere Texte brauchen.
Damit Du diesen Hebel sofort nutzen kannst, ohne dabei täglich im Content-Hamsterrad strampeln zu müssen, gebe ich Dir meine persönliche Abkürzung an die Hand: Das Early-Bird-Fenster für die Premium-Mitgliedschaft ist bis Donnerstag, den 19. März, um Mitternacht geöffnet. Wer sich bis dahin für die Jahresmitgliedschaft entscheidet, bekommt mein Notes-System geschenkt.
Das ist exakt der Workflow, mit dem ich in zwei Stunden für die ganze Woche entspannt drei Notes pro Tag vorbereite – und der „gut schreiben • gut verdienen“ um 100 Abos im Monat wachsen lässt. Aber viel wichtiger: Es sind die richtigen Leser. Denn wir werfen kein Engagement-Bait-Konfetti, sondern nutzen Notes als strategisches Testlabor für echte Gedanken. So ziehst Du keine Zufalls-Liker an, sondern genau die Menschen, die Deine Expertise suchen und Deine Stimme brauchen.
Dass der Ansatz universell ist, beweist die aktuelle Beta-Phase, die gerade in den Endzügen liegt. Eine Handvoll Substacker aus ganz unterschiedlichen Nischen nutzen das System bereits. Ihr Feedback fließt sofort ein, damit sichergestellt ist: Es funktioniert nicht nur für mich, sondern passt sich Dir an – egal, ob Du über Politik, Philosophie oder Elternschaft schreibst.
Die deutsche Welle auf Substack baut sich gerade erst auf.
Und das Schöne daran: Du musst kein Profi-Surfer sein, um sie zu reiten. Selten war eine Welle so stabil, das Wasser so klar. Das Risiko, vom Brett zu fallen, so minimal – die Chance, weit getragen zu werden, so groß.
Nutzen wir den Schub.
P.S.: Denk daran: Das Early-Bird-Paket mit dem geschenkten Notes-System (Wert: 99 €) gibt es nur bis Donnerstag, den 19. März. Danach wandert es als separates Produkt in den Shop.



Ich denke jeder, der es schafft sich ein Ziel zu setzen, welches weitaus größer ist als man selbst, schafft diese Vision aus einem Zustand, zu den man nie wieder zurückkommen will.
Ausnahmslos jeder hat sein Päckchen zu tragen. Am Ende des Tages sind wir alle Menschen. Nur gibt es die, die wie du offen mit ihren Learnings umgehen und sie bildlich beschreiben, oder die, die sich dafür schämen, sich Schwäche zuzugestehen, um ein Bild aufrechtzuerhalten, was doch eh niemanden juckt.
Die Leute, die sich von Status, Meinungen und Ansehen vollständig abhängig machen und ihren Wert bestimmen lassen, wie vom Trödelhändler.
Nach dem Motto: 80 Euro und der Prügel ist gut bezahlt.
Was wirklich zählt?
Zuzugeben:
Hier war ich. Das teile ich mit dir.
Und du kannst mich verfolgen, wie ich es daraus geschafft habe (oder es noch tue).
Das ist für mich etwas Großes.
Bedeutsamkeit zu schaffen.
Schwere Momente des Lebens zu teilen, menschliche Verbindungen dadurch zu schaffen und Transformationen anzustoßen.
Die Human-Experience leben.
Für mich steckt in jedem schweren Moment, jeder harten Lebensphase, oder jedem noch so unverdienten Schicksalsschlag immer etwas Beruhigendes:
Der Moment, wo man realisiert, man hat nichts mehr zu verlieren.
Manchmal braucht es, damit sich dieser Moment zeigt.
Aber wird er erkannt, verändert er einen. Immer und immer wieder.
Man muss nur stark genug sein, sich ihn hinzugeben und nicht im Selbstmitleid zu ertrinken.
Und aus eigener Erfahrung: auch das kann dauern.
Und für mich das Schöne am Lernen.
Danke für deinen Beitrag Simon.
Bin gespannt, wo deine Content-Reihe noch hinführt.
Und herzlichen Glückwunsch zum Launch!
Geil beschrieben, wie damals deine Tage aussahen.
So eine Phase hatte ich nicht.
In "Zeitgeist" bin ich allerdings auch mal ordentlich reingekippt und hab von da an zwei Jahre lang geglaubt, ich könnte mir mit Verschwörungstheorien alles in der Welt erklären. Gut, dass ich da wieder rausgefunden habe.
Und gratuliere nochmal zu deinem Produktlaunch.
Wünsche dir nur das Beste für diesen!